Sisyphos


Sisyphos
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Sohn des Aiolos (1)*, Gründer von Korinth; er muß in der Unterwelt einen Felsblock, der immer wieder herabrollt, auf einen hohen Berg wälzen (Odyssee XI 593–600; Apollodor, Bibliothek I 85); warum er so bestraft wird, berichtet die ›Odyssee‹ nicht; Apollodor spricht von einem Verrat, andere meinen, Sisyphos habe den Tod festgebannt und sei später sogar für einige Zeit aus dem Hades entwischt. Anscheinend wurde er im Lauf der Zeit aus einem großen Frevler wie Tantalos* zu einer eher erheiternden Schelmenfigur, ähnlich dem Schmied von Jüterbog im deutschen Volksmärchen. Als solcher maß er sich erfolgreich mit dem Meisterdieb Autolykos*, verführte ganz nebenbei dessen Tochter und wurde so zum wirklichen Vater des Odysseus* (Ovid, Metamorphosen XIII 31–33). Sisyphos mit seinem Felsblock erscheint häufig auf antiken Vasenbildern; ein großes Gemälde von Tizian besitzt der Prado in Madrid (Sisyphos, um 1548/49). Hinter dem davonrollenden Kopf einer gestürzten Statue rennen ›Der übermütige Sisyphos und die Seinen‹ auf einem Bild Wolfgang Mattheuers her (1976, Dresden, Galerie neuer Meister).
Für die französische Existenzphilosophie wurde eine Schrift von Albert Camus bedeutsam: ›Der Mythos von Sisyphos‹, ein Essay über das Absurde (1942).
Camus sieht in Sisyphos, der unentwegt und mit äußerster Energie das an sich Sinnlose tut, ein Bild des heldenhaften Menschen schlechthin: Da wir die Welt, in die wir hineingestellt seien, nicht zu ändern vermöchten, könne all unser Handeln allein nach seiner Intensität beurteilt werden.

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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